Über uns Every face has a story: Meet Ubah, unsere selbstsichere Powerfrau

Der Morgen war noch etwas kühl, jedoch bahnten sich die Sonnenstrahlen ihren Weg zwischen die Gebäude und in die Strassen von Zürichs Wipkinger-Quartier. Ubah stand vor dem Café Nordbrücke, wo wir uns verabredet hatten. Sie war ready für das Interview und trug ihren Valeriana-Rucksack ebenso lässig wie ihren Hijab. Ihr lila Lippenstift schimmerte in frechem Kontrast zu ihrem gelb-schwarzen Blumenkleid. Sie lächelte verschmitzt.

Wir setzen uns ins Café, wo morgens noch kein grosser Betrieb herrscht und die Kaffeemaschine alle paar Minuten im Hintergrund surrt. Ubah bestellt einen Orangensaft, denn der Kaffee in der Schweiz schmeckt ihr nicht besonders. Sie strahlt eine bestimmte Selbstsicherheit aus, eine gewisse Ruhe. Man hat fast das Gefühl, sie könnte sich überall zurechtfinden. Sie verneint lachend, als wir sie darauf ansprechen. Das sei ganz anders gewesen, als sie in die Schweiz gekommen sei.

Ubah freudestrahlend im Café


Ubah’s Start in der Schweiz
… damals, als sie in Zürich ankam, kannte sie niemanden. Sie wusste nicht, wo sie Lebensmittel einkaufen sollte, wie man die ÖV benutzt oder geschweige denn auf Deutsch Fragen stellt. Ihr Mann hat viel gearbeitet und war nicht da, um ihr zu helfen. Sie war mit ihrer zweijährigen Tochter alleine zu Hause und verzweifelte beinahe, als ihr das Milchpulver ausging, sie ihren Mann jedoch telefonisch nicht erreichen konnte. Ihr wurde klar: sie musste aus der Isolation ausbrechen und in ihr neues Umfeld eintauchen. Ubahs Ehemann war auch der Grund, weshalb sie in die Schweiz gekommen ist. Er war bereits vor Jahren als anerkannter Flüchtling in Zürich eingereist und durfte bleiben. Als er eine feste Stelle erhielt, konnte auch seine Familie aus Äthiopien nachziehen.

Dies war der Beginn eines komplett neuen Kapitels in Ubahs Leben. So ein Transportsystem wie in der Schweiz aus Zügen, Bussen und Trams war ihr völlig fremd und von Google Maps hatte sie sowieso noch nie gehört. Auch das Klima war anders und sie musste sich an die Kälte gewöhnen. Doch allen Challenges zum Trotz wollte sie unbedingt Arbeit finden und machte sich beim Umfeld ihres Mannes schlau. Dort wurde sie schnell an einen Büroreinigungsjob vermittelt, den sie für den Anfang dankend annahm. Dieser Reinigungshilfsjob war jedoch im Mindestlohn bezahlt.

Wie Ubah den Weg zu Valeriana fand
Der Zufall will es, dass sie kurze Zeit später von einer Bekannten angerufen wurde, die sie auf Valeriana verwies. Erst dann begann sich ihr Leben so richtig zu ändern, sagt sie. Bei Valeriana erhielt sie die Chance für ein Probeputzen und bewies sich als effiziente und detailtreue Reinigungszauberin. Nicht nur das: Ubah lernte auch, wie man die Adressen der verschiedenen Kunden findet und war von Google Maps schwer beeindruckt. Schnell erhöhte sich die Anzahl ihrer Aufträge und sie bewegte sich durch Zürich-City als ob sie schon immer hier gelebt hätte.

Ihre Augen glänzen als sie von diesen neu erworbenen Skills erzählt. Sie sagt, sie google jetzt täglich nach Allem und Jedem und muss ihren Mann nicht mehr fragen. Dieser ist positiv überrascht, wie selbständig Ubah mittlerweile geworden ist und froh, dass sie nun einen Nebenverdienst hat, von dem die ganze Familie profitiert.

Das Smartphone und Google Maps sind eine grosse Hilfe


Sauberzauber für innen und aussen dank der Valeriana-Community
Wir wollen von ihr wissen, wie sich ihr Leben sonst noch mit Valeriana verändert hat. Sie beginnt sofort Dinge aufzuzählen, wie z. B. Zeitmanagement - dieses funktioniere in ihrem Heimatland ganz anders, lacht sie ausgelassen - , eine Routine im Alltag zu haben, jetzt viel mehr Kontakt zur lokalen Bevölkerung zu pflegen. Sie meint, die Arbeit bei Valeriana habe ihr „die Augen geöffnet“. Man gehe ja nicht nur für die Reinigung zu den Kund*innen, sondern auch für die Beziehungspflege. Also quasi «Sauberzauber» für innen und aussen. 

Und was noch? Sie hat auch gelernt, «Nein» zu sagen. Von Valeriana hat sie klare Richtlinien erhalten, die ihr helfen, wie sie auf Sonderwünsche der Kundschaft reagieren muss. Denn manchmal verlangen die Kunden mehr als bei Valeriana möglich ist und die Mitarbeiter*innen müssen lernen, entsprechend Grenzen zu setzen.

Ubah geniesst es, sich während der Community-Aktivitäten mit anderen Valeriana-Frauen zu treffen. Sie sagt, es haben sich teilweise schon Nachbarschaftshilfen und Freundschaften gebildet. Je öfter Valeriana ihre Mitarbeitenden zusammentrommelt, desto mehr Zeit können sie miteinander verbringen und sich auch eine Auszeit vom Alltag nehmen.

Ubah mit einer ihrer Kolleginnen während der Bügelschulung


Bei Regen verspürt Ubah Freude
Am Schluss stellen wir ihr die klassische Frage, was ihr an der Schweiz gefällt und was sie an ihrer Heimat vermisst. Ubah meint, ihr gefalle das hiesige Schulsystem, weil es die Kinder so früh in so viele verschiedene Themen einführt. Das sei in Äthiopien anders. Und auch wenn sie sich hier noch nicht ganz ans Klima gewöhnt hat, spürt sie jedes Mal Freude, wenn es regnet. Warum denn Ubah!, fragen wir etwas verdutzt. Sie antwortet, dass sie ihn nicht als Regen wahrnimmt, sondern als ein angenehmes Prasseln von Wasserspritzern, schön leise und regelmässig. Denn von wo sie herkommt, ist man pflotschnass, wenn es denn mal regnet.

In Äthiopien vermisst sie natürlich ihre Familie und Freunde, die dort geblieben sind. Ubah besitzt aber bereits die nötige Aufenthaltsbewilligung, die es ihr erlaubt, irgendwann einen Abstecher nach Äthiopien zu machen und dann auch wieder zurückzukommen. Dieses Jahr wird sie jedoch nicht reisen können, da sie ihr drittes Kind erwartet. Sie lacht laut, als wir es «Valeriana-Baby» nennen.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview, liebe Ubah.

To be continued:

  • Kennst du schon die Geschichte unserer allerersten Valeriana? Mehr zu Hatun findest du hier.
  • Hast du schon unsere Mitarbeiterin Nardos kennengelernt? Nein? Dann bitte hier entlang!
Hier findest du ausserdem mehr über die Success-Story unserer Mitarbeiterin Embaba.

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