Was Schneeräumen mit Care-Arbeit zu tun hat

Publiziert am 20.01.2021


Der unglückliche Versuch eines Beamten „witzig“ zu sein führte 2011 dazu, dass die schwedische Stadt Karlskoga das Thema Schneeräumen kurzerhand zum Politikum erhob. Eine zuvor eingeleitete Initiative sollte untersuchen, ob und inwieweit städtische Massnahmen zur Geschlechtergleichheit beitragen. Als klar wurde, dass das eine ziemlich umfassende Initiative werden würde, witzelte der besagte Beamte, dass die „gender people“ ja wohl zumindest aus dem Thema Schneeräumen ihre Nasen heraushalten würden. Taten sie natürlich nicht – und das, wie sich herausstellen sollte, mit Recht!

Daten aus unterschiedlichen Städten zeigen, dass deutlich mehr Frauen als Männer Gehwege und öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Die Erklärung: 75 Prozent der weltweiten bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit (also Betreuungs-, Pflege- und Hausarbeit) wird nach wie vor von Frauen geleistet. Das beeinflusst auch ihre Fortbewegungsweise. Kinder zur Schule bringen, Einkäufe erledigen, ältere Menschen zum Arzt begleiten – vieles davon wäre ohne Trottoirs, Busse und Trams nicht möglich.

Tag 1 nach dem Schneechaos - irgendwo in Zürich

Das Schneechaos der letzten Tage machte dann auch in Zürich sichtbar, welche Personen vor allem von der aktuellen Schneeräumungs-Priorisierung betroffen sind: Während Autos schon längst wieder nahezu unproblematisch unterwegs waren, blieben viele Tramstrecken weiterhin nur eingeschränkt befahrbar, kämpften Mütter sich mit ihren Kinderwagen über immer noch vereiste Fusswege und ältere Menschen blieben mit ihren Rollatoren in Schneebergen stecken. Und auch unsere Valeriana-Mitarbeiter*innen mussten Aufträge absagen, da die schlechten Verbindungen ihnen ein Fortbewegen nahezu unmöglich machten.

Tag 5 nach dem Schneechaos - am selben Ort in Zürich

In Karlskoga haben die Befunde übrigens letztlich dazu geführt, dass Trottoirs und das öffentliche Verkehrsnetz fortan noch vor den Strassen vom Schnee befreit werden. Wir sagen „Grattis!“ und hoffen, dass auch die Schweiz bald nachziehen und den Weg zu echter Geschlechtergleichheit freiräumen wird!

PS: Die in dieser Story zusammengetragenen Informationen entstammen übrigens dem Artikel „Invisible Women: Ist Schneeräumen eine sexistische Handlung?“, der kürzlich auf der (wirklich sehr lesenswerten) Website sheconomy.at veröffentlicht wurde. Grundlage des Beitrags ist das gleichnamige Buch „Invisible Women“ der britischen Aktivistin und Autorin Caroline Criado Perez, in dem sie sich mit dem sogenannten „Gender Data Gap“ auseinandersetzt. Wir finden: Super spannende Lektüre, vor allem, wenn man oder frau Zuhause eingeschneit wird!

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